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    Ei­ne Bi­lanz zum Eu­ro­päi­schen For­schungs­netz­werk Econ­Pol Eu­ro­pe

    • EconPol Europe hat sich seit seiner Gründung auf vier Themenfelder konzentriert, die für Europa besondere Relevanz haben: nachhaltiges Wachstum, die Reform von EU-Politiken und des EU-Haushalts, Kapitalmärkte und die Regulierung des Finanzsektors sowie Governance und die makroökonomische Politik in der Europäischen Währungsunion.
    • Das Forschungsnetzwerk EconPol Europe hat durch verschiedene zielgruppenspezifische Publikationsreihen und Veranstaltungen zahlreiche sichtbare Beiträge zur finanz- und wirtschaftspolitischen Debatte aus wissenschaftlicher Perspektive geleistet.
    • Dabei wurde die Arbeit des Netzwerks durch eine gezielte Öffentlichkeitarbeit unterstützt, sodass die Marke EconPol Europe stetig an Bekanntheit gewonnen hat und sowohl bei den EU-Institutionen, in den EU-Mitgliedstaaten, in der wissenschaftlichen Community als auch in der interessierten Öffentlichkeit sehr stark wahrgenommen wird.
    • Die Förderung durch das BMF als Anstoß für eine weitere Vernetzung grenzüberschreitender Forschung zur Wirtschafts- und Finanzpolitik in Europa ist Ende 2021 ausgelaufen. Die Aktivitäten von EconPol Europe werden im CESifo-Forschungsnetzwerk1 fortgeführt. Unter dem Dach des CESifo-Netzwerkes wird EconPol Europe auch in Zukunft seinen wirtschaftspolitischen Schwerpunkt zu Fragen der europäischen Integration beibehalten.

    Einleitung

    Das BMF hatte im März 2017 das Münchener ifo Institut beauftragt, ein europäisches Forschungsnetzwerk zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Finanz- und Wirtschaftsfragen aufzubauen. Dieses in seiner Form einzigartige Netzwerk, EconPol EuropeEuropean Network for Economic and Fiscal Policy Research wurde im Juni 2017 in Brüssel initiiert und hat seit seiner Gründung vielfältige Aktivitäten entfaltet. EconPol Europe widmet sich den drängenden finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen der europäischen Integration. Die Mission des Netzwerks ist es, über fundierte Beiträge aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft intensiver als bisher in die Debatte der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion einzubringen. In Zukunft werden die Aktivitäten von EconPol Europe im CESifo-Forschungsnetzwerk fortgeführt.

    Thematische Schwerpunkte und Zusammensetzung des Netzwerks

    Die Forschungsschwerpunkte von EconPol Europe lagen in den Bereichen nachhaltiges Wachstum, der Reform von EU-Politiken und des EU-Haushalts, Kapitalmärkte und die Regulierung des Finanzsektors sowie Governance und die makroökonomische Politik in der Europäischen Währungsunion.

    Das Netzwerk bestand nach seiner Gründung aus dem ifo Institut, das die Rolle des allein verantwortlichen Koordinators übernommen hatte, und fünf weiteren europäischen Forschungsinstituten sowie drei Universitäten aus insgesamt sieben Ländern. Gründungsmitglieder von EconPol Europe waren die folgenden Institutionen:

    • ifo Institut (München),
    • Centre for European Policy Studies (CEPS, Brüssel),
    • Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW, Mannheim),
    • VATT Institute for Economic Research (VATT, Helsinki),
    • Centre d’Études Prospectives et d’Informations Internationales (CEPII, Paris),
    • Institut für Höhere Studien (IHS, Wien),
    • Toulouse School of Economics,
    • University of Oxford,
    • Università di Trento.

    Diese weiteren fünf Institutionen wurden im Jahr 2019 assoziiert:

    • CERGE-EI (Center for Economic Research and Graduate Education – Economics Institute, Prag),
    • CPB Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis (Den Haag),
    • Instituto Universitario de Economia at Universidad Carlos III de Madrid (IUE-uc3m),
    • KOF Swiss Economic Institute at ETH Zurich (KOF),
    • REM at the ISEG – Lisbon School of Economics and Management of the Universidade de Lisboa (REM).

    Das EconPol-Europe-Netzwerk war somit institutionell dezentral in mehreren EU‑Mitgliedsstaaten verankert und unterhielt gleichzeitig eine Dependance in den Räumlichkeiten des Netzwerkmitglieds CEPS in Brüssel. In der Dependance fanden insbesondere Workshops und Arbeitsgruppentreffen statt; darüber hinaus fungierte die Dependance als Kontaktstelle des Netzwerks in Brüssel. Die Aktivitäten des EconPol-Europe-Netzwerks wurden von einer Steuerungsgruppe koordiniert, in die jede Institution des Netzwerks Vertreterinnen und Vertreter entsandte. Sprecher des EconPol-Europe-Netzwerks war ifo-Präsident Clemens Fuest, die wissenschaftliche Koordination lag in den Händen von Mathias Dolls.

    Publikationsreihen

    Für das Netzwerk wurden die folgenden Publikationsreihen neu geschaffen: EconPol Working Papers, Policy Reports, Policy Briefs und Opinions. Die Working-Paper-Reihe richtete sich vor allem an die wissenschaftliche Community und hat mit insgesamt 73 Arbeitspapieren (Stand Januar 2022) die Diskussion in akademischen Kreisen angeregt. Einige der EconPol Working Papers wurden hochrangig veröffentlicht, z. B. in den akademischen Zeitschriften Review of Economic Studies, European Economic Review oder Research Policy. Mit den EconPol Policy Reports und den Policy Briefs brachte das Netzwerk seine Expertise in die finanz- und wirtschaftspolitische Debatte ein. Politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft zählten zu den Hauptadressaten dieser Veröffentlichungsreihen. So wurden beispielsweise der EconPol Policy Report Nr. 16: A Primer on Developing European Public Goods vor den Finanzministern Deutschlands und Frankreichs, der EconPol Policy Report Nr. 24: Financing the EU: New Context, New Responses beim ECOFIN-Treffen der Finanz- und Wirtschaftsministerinnen und -minister (beide EconPol Policy Reports von Clemens Fuest und Jean Pisani-Ferry) sowie der EconPol Policy Report Nr. 10: An Unemployment Re-Insurance Scheme for the Eurozone: Stabilizing and Redistributive Effects (von Mathias Dolls) bei der Jahreskonferenz des European Fiscal Boards im Jahr 2020 vorgestellt. Insgesamt wurden bis Januar 2022 34 EconPol Policy Reports und 40 EconPol Policy Briefs veröffentlicht. Schließlich wurden in den insgesamt 46 erschienenen EconPol Opinions Meinungsbeiträge aus dem EconPol-Netzwerk veröffentlicht. Adressat der EconPol Opinions war die wirtschaftspolitisch interessierte Öffentlichkeit. Neben den Publikationen in den EconPol-Publikationsreihen wurden mehrere Beiträge aus dem EconPol-Netzwerk auch in externen, ökonomischen Blogs veröffentlicht, z. B. EconPol Opinion: How Serious Politics Must Counter Populism (von Clemens Fuest) und EconPol Working Paper Nr. 64: Calamities, Common Interests, Shared Identity: What Shapes Altruism and Reciprocity? (von den Netzwerkmitgliedern Antonio Cabrales und Mathias Dolls mit weiteren Co-Autorinnen und -autoren) auf VoxEU.

    Veranstaltungsreihen

    Am 22. Juni 2017 fand in Brüssel die offizielle Gründungskonferenz von EconPol Europe statt. ifo-Präsident Clemens Fuest und die Vertreterinnen und Vertreter der anderen acht Institute trafen zusammen, um die Kooperationsvereinbarung zu unterzeichnen und die strategische Orientierung des Netzwerks zu diskutieren. Im Rahmen der Gründungskonferenz stellte CEPS-Direktor Daniel Gros den ersten EconPol Policy Report: The Future of Fiscal Governance in the Eurozone vor. Anschließend folgte ein Workshop am CEPS über Unternehmensbesteuerung und über weitere Themen wie europäische Banken und Steueroasen, internationale Besteuerung und Produktivitätseffekte von Unternehmensübernahmen.

    In der weiteren Projektlaufzeit hat das EconPol-Europe-Netzwerk mehrere Veranstaltungsreihen entwickelt. Besonders hervorzuheben ist die Jahreskonferenz, die seit dem Jahr 2017 insgesamt fünfmal ausgetragen wurde. Die Jahreskonferenzen umfassten jeweils zwei Konferenztage. Am ersten, öffentlichkeitswirksamen Konferenztag standen Keynotes und Policy Panels zu aktuellen finanz- und wirtschaftspolitischen Themen im Vordergrund, während am zweiten Konferenztag akademische Sessions stattfanden, in denen aktuelle Forschungsarbeiten aus dem EconPol-Netzwerk präsentiert wurden. Weitere Veranstaltungsformate des EconPol-Europe-Netzwerks waren wissenschaftliche Workshops, Lunch Debates/Forschungsseminare sowie parlamentarische Frühstücke mit Abgeordneten des EU-Parlaments. Bei allen Veranstaltungsformaten wurden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem EconPol-Europe-Netzwerk eng eingebunden. Darüber hinaus wurden einige Veranstaltungsformate in Kooperation mit den Netzwerkmitgliedern entwickelt. So fanden zum Beispiel seit dem Jahr 2018 EconPol Lab Sessions im Rahmen des jährlich stattfindenden CEPS Ideas Lab statt, mit dem ZEW wurden mehrere gemeinsame Lunch Debates durchgeführt. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie fanden sämtliche Veranstaltungen des EconPol-Europe-Netzwerks virtuell statt.

    Öffentlichkeitsarbeit

    Das EconPol-Europe-Netzwerk hat seit seiner Gründung verschiedene Kommunikationskanäle entwickelt, um die interessierte Öffentlichkeit über EconPol-Europe-Publikationen und Veranstaltungsaktivitäten zu informieren. Zum einen wurde eine eigene Website entwickelt, auf der Informationen über das Forschungsnetzwerk mit all seinen Aktivitäten bereitgestellt wurden. Darüber hinaus wurden Pressemitteilungen und Newsletter verschickt sowie ein Twitter-Acount für EconPol Europe etabliert. Der folgende Abschnitt gibt einen Überblick über die Kommunikationsstrategie des EconPol-Europe-Netzwerks seit seiner Gründung.

    Als Anschubhilfe für die Kommunikationsarbeit nutzte EconPol Europe zunächst die Ressourcen und die Reputation des ifo Instituts. Dies brachte anfangs einige Vorteile in Form von Synergieeffekten ein; z. B. musste keine eigene Infrastruktur für Pressearbeit und -versand etabliert werden. Die erste Stufe der Kommunikationsstrategie von EconPol Europe zielte darauf ab, zunächst möglichst breite Aufmerksamkeit zu schaffen, um den Bekanntheitsgrad von EconPol Europe zu erhöhen. Bis zum 3. Quartal 2018 konzentrierten sich die Aktivitäten deshalb stark auf die Zielgruppe Multiplikatoren/Medien. Es wurden Pressemitteilungen über den Verteiler des ifo Instituts verschickt, der mehrere tausend Kontakte beinhaltet. Daneben wurden EconPol-Newsletter an einen Verteiler mit 20.000 Adressen gesandt.

    In der zweiten Stufe der Kommunikationsstrategie ab dem 4. Quartal 2018 wurde eine Entflechtung vorgenommen, um die eigenständige Wahrnehmung von EconPol Europe zu stärken. EconPol Europe verfolgte seit diesem Zeitpunkt einen stärker fokussierten und stärker differenzierten Ansatz. Die Frequenz des Newsletters wurde auf zehn Ausgaben pro Jahr erhöht und monatliche, feste Publikationstermine wurden fixiert. Das Ziel war, die Marke EconPol Europe eigenständiger und stärker sichtbar zu machen. Die Pressemitteilungen wurden von nun an über einen EconPol-Europe-Account verschickt. Die gewonnenen Erfahrungen aus dem Gründungsjahr des Netzwerks flossen in einen Ansatz ein, der zielgruppenorientierte Kampagnenstränge verfolgte. Ausgehend vom Inhalt wurde beurteilt, welche Zielgruppe primäres Publikum sein könnte: die Forschungscommunity, Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik, eine breitere Öffentlichkeit – oder alle drei gleichzeitig. Die wissenschaftliche Community erreichte EconPol Europe über eigene Veranstaltungen, die auf Twitter begleitet wurden, sowie mit dem Publikationsformat EconPol Working Papers. Für Abgeordnete bot EconPol Europe parlamentarische Frühstücke als Gelegenheit zum Networking an, die Teilnehmenden sowie potenziell Interessierte wurden über Newsletter (sofern sie dem zugestimmt hatten) oder auf Twitter adressiert. Für diese Zielgruppe bot EconPol Europe darüber hinaus das Publikationsformat EconPol Policy Brief an. Vereinzelt wurde auch die Presse zu Veranstaltungen eingeladen. Den Journalistinnen und Journalisten wurden außerdem zielgerichtet Pressemitteilungen zugestellt, je nach Inhalt in englischer, deutscher und/oder französischer Sprache. Persönliche Kontakte des ifo Instituts wurden genutzt, um Inhalte dort, wo es angezeigt erschien, vorab exklusiv anzubieten.

    Fast fünf Jahre nach Gründung des Forschungsnetzwerks lässt sich resümieren, dass die Marke EconPol Europe stetig an Bekanntheit gewonnen hat und sowohl bei den EU-Institutionen, in den EU-Mitgliedsstaaten, in der wissenschaftlichen Community als auch in der interessierten Öffentlichkeit deutlich wahrgenommen wird. Die EconPol-Europe-Jahreskonferenz, in den ersten Jahren physisch in Brüssel stattfindend und seit dem Jahr 2020 virtuell, hat sich als fester Bestandteil im Veranstaltungskalender etabliert. Bei der 5. EconPol-Jahreskonferenz im Oktober 2021 nahmen 155 Personen am ersten und 192 Personen am zweiten Konferenztag teil. Den Livestream verfolgten circa 100 Zuschauerinnen und Zuschauer. Auf Twitter folgen EconPol Europe mit Stand Januar 2022 mehr als 1.300 User. Die EconPol-Europe-Website wird stark frequentiert und über Forschungsergebnisse aus dem EconPol-Europe-Netzwerk wurde im TV sowie in renommierten Print- und Online-Medien berichtet.

    Die Zukunft von EconPol Europe

    Die Förderung durch das BMF ist Ende 2021 ausgelaufen. Die Aktivitäten von EconPol Europe werden im CESifo-Forschungsnetzwerk fortgeführt, das mit dem National Bureau of Economic Research in Cambridge (Massachusetts) und dem Centre for Economic Policy Research in London zu den drei weltweit größten Netzwerken seiner Art im Bereich der Volkswirtschaftslehre gehört. Ihm gehören mehr als 1.750 Ökonominnen und Ökonomen aus der ganzen Welt an.

    CESifo unterstützt die Mitglieder des Forschungsnetzwerks bei der Organisation ihrer Forschung und der Publikation ihrer Ergebnisse. Es ermöglicht mit mehr als zwei Dutzend Konferenzen pro Jahr Vernetzung und den Austausch von Forschungsideen. Die Forschungsbereiche des ifo Instituts arbeiten eng mit den acht Research Network Areas (Behavioral Economics, Economics of Digitization, Economics of Education, Energy and Climate Economics, Global Economy, Labor Economics, Macro, Money and International Finance sowie Public Economics) zusammen. Die Research Network Areas bündeln die Forschungsaktivitäten des CESifo-Netzwerks. Unter dem Dach des CESifo-Netzwerkes wird EconPol Europe auch in Zukunft seinen wirtschaftspolitischen Schwerpunkt zu Fragen der europäischen Integration beibehalten. Zentrale Publikationsformate, wie der EconPol Policy Brief, bleiben erhalten. Auch die EconPol-Jahreskonferenz wird unter Federführung von CESifo fortgeführt.

    Fußnoten

    1
    CES steht für das Center for Economic Studies.

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