Navigation und Service

Inhalt

  • Statistiken und Dokumentationen

    Ge­samt­wirt­schaft­li­ches Pro­duk­ti­ons­po­ten­zi­al und Kon­junk­tur­kom­po­nen­ten des Bun­des

    Datengrundlagen und Ergebnisse der Schätzungen der Bundesregierung

    Stand: Jahresprojektion 2022 der Bundesregierung vom 26. Januar 2022

    Erläuterungen zu den Tabellen

    Für die Potenzialschätzung wird das Produktionsfunktionsverfahren verwendet, das für die finanzpolitische Überwachung in der Europäischen Union (EU) für die Mitgliedstaaten verbindlich vorgeschrieben ist. Die für die Schätzung verwendeten Programme sowie begleitende Hinweise können dem Abschnitt Unterlagen zur Bestimmung des Produktionspotenzials“ entnommen werden. Die Budgetsemielastizität basiert auf den von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geschätzten Teilelastizitäten der einzelnen Abgaben und Ausgaben in Bezug zur Produktionslücke1 sowie methodischen Erweiterungen und Aktualisierung des für Einnahmen- und Ausgabenstruktur und deren Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) herangezogenen Stützungszeitraums durch die Europäische Kommission2.

    Datenquellen für die Schätzungen zum gesamtwirtschaftlichen Produktionspotenzial sind die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und die Anlagevermögensrechnung des Statistischen Bundesamts sowie die gesamtwirtschaftlichen Projektionen der Bundesregierung für den Zeitraum der mittelfristigen Finanzplanung. Für die Erwerbsbevölkerung wird die 1. mittelfristige Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts (September 2021) zugrunde gelegt (Mittelwert der beiden Varianten der 1. mittelfristigen Bevölkerungsvorausberechnung), wobei aktuellen Entwicklungen Rechnung getragen wird (inklusive Geflüchtete/Zuwanderung). In diesem Zusammenhang wurde die Berechnung der Partizipationsraten für die Jahre 2014 bis 2026 ebenfalls gemäß den Vorgaben der EU-Methode angepasst. Zeitreihen für Arbeitszeit je Erwerbstätigem und Partizipationsraten der Bevölkerung ohne Geflüchtete werden – im Rahmen von Trendfortschreibungen – um drei Jahre über den Zeitraum der mittelfristigen Finanzplanung hinaus verlängert, um dem Randwertproblem bei Glättungen mit dem Hodrick-Prescott-Filter Rechnung zu tragen.

    Für den Zeitraum vor dem Jahr 1991 werden Rückrechnungen auf der Grundlage von Zahlenangaben des Statistischen Bundesamts zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Westdeutschland durchgeführt.

    Hintergrundinformationen

    Das Produktionspotenzial ist ein Maß für die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten, die mittel- und langfristig die Wachstumsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft determinieren.

    Die Produktionslücke kennzeichnet die Abweichung der erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung von der konjunkturellen Normallage, dem Produktionspotenzial. Die Produktionslücken, d. h. die Abweichungen des BIP vom Potenzialpfad, geben das Ausmaß der gesamtwirtschaftlichen Unter- beziehungsweise Überauslastung wieder. In diesem Zusammenhang spricht man auch von „negativen“ beziehungsweise „positiven“ Produktionslücken (oder Output Gaps).

    Der Potenzialpfad beschreibt die Entwicklung des BIP bei Normalauslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten und damit die gesamtwirtschaftliche Aktivität, die ohne inflationäre Verspannungen bei gegebenen Rahmenbedingungen möglich ist. Schätzungen zum Produktionspotenzial sowie daraus ermittelte Produktionslücken dienen nicht nur als Berechnungsgrundlage für die Schuldenregel, sondern auch dazu, um den gesamtstaatlichen strukturellen Finanzierungssaldo zu berechnen. Darüber hinaus sind sie eine wichtige Referenzgröße für die gesamtwirtschaftlichen Vorausschätzungen, die für die mittelfristige Finanzplanung durchgeführt werden.

    Zur Bestimmung der maximal zulässigen Nettokreditaufnahme des Bundes im Rahmen der Schuldenbremse ist, neben der Bereinigung um den Saldo der finanziellen Transaktionen, eine Konjunkturbereinigung der öffentlichen Einnahmen und Ausgaben durchzuführen, um eine ebenso in wirtschaftlich guten wie in wirtschaftlich schlechten Zeiten konjunkturgerechte, symmetrisch reagierende Finanzpolitik zu gewährleisten (Art. 115 Grundgesetz). Dies erfolgt durch eine explizite Berücksichtigung der konjunkturellen Einflüsse auf die öffentlichen Haushalte mithilfe einer Konjunkturkomponente, die die zulässige Obergrenze für die Nettokreditaufnahme in konjunkturell schlechten Zeiten erweitert und in konjunkturell guten Zeiten einschränkt. Die Konjunkturkomponente ergibt sich als Produkt aus der Produktionslücke und der Budgetsemielastizität. Die Budgetsemielastizität als Maß der Budgetsensitivität gibt an, wie die Einnahmen und Ausgaben des Bundes auf eine Veränderung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität reagieren.

    Weitere Erläuterungen und Hintergrundinformationen sind im Kompendium zur Schuldenregel des Bundes (Schuldenbremse) [pdf, 378KB] zu finden.

    Unterlagen zur Bestimmung des Produktionspotenzials

    1. Erläuterungen zur Bestimmung des Produktionspotenzials [pdf, 149KB]
    2. Unterlagen zur Potenzialschätzung [zip, 1MB]

      Fußnoten

      1

      Siehe Girouard und André (2005), „Measuring Cyclically-Adjusted Budget Balances for OECD Countries“, OECD Economics Department Working Papers 434.

      2

      Siehe Mourre, Isbasoiu, Paternoster und Salto (2013): „The cyclically-adjusted budget balance used in the EU fiscal framework: an update”, Europäische Kommission, European Economy, Economic Papers 478, sowie Mourre, Astarita und Princen (2014): „Adjusting the budget balance for the business cycle: the EU methodology“, Europäische Kommission, European Economy, Economic Papers 536.

Fußzeile