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    Die wich­tigs­ten Steu­ern im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich

    • Die deutsche Abgabenquote – d. h. das Verhältnis der Steuern und Sozialabgaben zum Bruttoinlandsprodukt – lag mit 38,2 % im Jahr 2018 international im oberen Mittelfeld. Die tarifliche Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften bleibt 2019 in Deutschland insgesamt knapp unter 30 %. Der 2019 erhobene Umsatzsteuerregelsatz von 19 % liegt im EU-Vergleich im unteren Drittel.
    • Den Steuern und Abgaben stehen in Deutschland umfangreiche öffentliche Leistungen und gut ausgebaute soziale Sicherungssysteme gegenüber. Gerade in der aktuellen Corona-Krise zeigt sich die Leistungsfähigkeit Deutschlands an einem gut ausgestatteten Gesundheitswesen, einem verlässlichen Sozialstaat und umfassenden Unterstützungsmaßnahmen für Beschäftigte, Selbstständige und Unternehmen.
    • Im internationalen Umfeld sanken wie in den vergangenen Jahrzehnten auch 2019 die Unternehmensteuersätze in einer Reihe von Staaten mäßig bis geringfügig. Weitestgehend stabil blieben weiterhin die Sätze der Einkommen- und Umsatzsteuern.

    Einleitung

    Der folgende Beitrag stellt überblicksartig grundlegende Vergleiche zur internationalen Besteuerung an. Dabei werden die Ergebnisse für die wesentlichen Steuerarten aus der BMF‑Broschüre „Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich 2019“ zusammengefasst. Die Ländervergleiche erstrecken sich auf die EU-Staaten und einige andere Industriestaaten (USA, Kanada, Japan, Schweiz und Norwegen). Sie geben grundsätzlich den Rechtsstand zum Ende des Jahres 2019 wieder, abgesehen vom letzten verfügbaren Vergleichsjahr 2018 für die Steuer-/Abgabenquoten, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht werden. Angekündigte oder beschlossene Maßnahmen, die sich erst ab 2020 auswirken, sind noch nicht erfasst. Dies gilt vor allem für die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise. Sinnvolle Schlussfolgerungen ergeben sich bei vielen Vergleichen erst aus dem Gesamtkontext. Dies gilt insbesondere für das Zusammenspiel von nominalen Steuersätzen und unterschiedlich ausgestalteten Bemessungsgrundlagen in den einzelnen Staaten.

    Gesamtwirtschaftliche Kennzahlen

    Gesamtwirtschaftliche Steuerquoten weisen die in einer Volkswirtschaft gezahlten Steuern bezogen auf die Wirtschaftsleistung aus. Die Aussagekraft dieser Steuerquoten ist aber begrenzt, weil die in den Vergleich einbezogenen Staaten ihre staatlichen Sozialversicherungssysteme in unterschiedlichem Ausmaß über eigenständige Sozialbeiträge (die nicht in der Steuerquote enthalten sind) oder aus allgemeinen Haushaltsmitteln und damit über entsprechend hohe Steuern finanzieren. Erst die Abgabenquote, die sowohl Steuern als auch Beiträge zur Sozialversicherung ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) setzt, ermöglicht einen gesamtwirtschaftlich sinnvollen Steuer- und Abgabenvergleich.

    Abbildung 1 zeigt, dass nach den Abgrenzungsmerkmalen der OECD (Revenue Statistics mit letztem Vergleichsjahr 2018) die Abgabenquote insbesondere in den meisten skandinavischen Staaten, aber auch in Frankreich, Belgien, Luxemburg, Italien und Österreich vergleichsweise hoch war (>40 %). Dagegen wiesen Irland, die USA und die Schweiz relativ niedrige Abgabenniveaus auf (<30 %). Die deutsche Abgabenquote bewegte sich im oberen Mittelfeld (2018: 38,2 %). Die niedrigste Abgabenquote wies im Jahr 2018 Irland mit 22,3 % auf; das höchste Abgabenniveau fand sich mit 46,1 % in Frankreich. Die deutsche Steuerquote betrug 2018 23,8 %. Hier rahmten Litauen mit 17,5 % am unteren und Dänemark mit 44,8 % am oberen Rand das Feld der Vergleichsstaaten ein.

    Steuern- und Abgabenquoten 2018

    in % des BIP

    Bal­ken­dia­gramm: Ver­gleich Steu­er- und Ab­ga­ben­quo­ten von un­ter­schied­li­chen Län­dern
    1 Stand 2017
    Quelle: OECD (Hrsg.), Revenue Statistics 1965-2018, Paris 2019
    LandSteuerquoteAbgabenquote
    Irland18,522,3
    USA18,224,3
    Schweiz21,327,9
    Litauen17,530,3
    Lettland21,730,7
    Japan¹18,831,4
    Kanada28,433,0
    Slowakei 18,533,1
    Estland21,633,2
    Vereinigtes Königreich27,133,5
    Spanien22,834,4
    Polen 21,935,0
    Tschechien19,735,3
    Portugal 25,935,4
    Slowenien21,836,4
    Ungarn 24,436,6
    Deutschland23,838,2
    Griechenland 27,138,7
    Niederlande24,838,8
    Norwegen28,939,0
    Luxemburg29,140,1
    Italien29,042,1
    Österreich27,542,2
    Finnland30,842,7
    Schweden34,343,9
    Belgien31,444,8
    Dänemark44,844,9
    Frankreich30,046,1
    Abbildung 1

    Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften

    Den nominalen Steuersätzen kann eine Signalfunktion bei internationalen Besteuerungsvergleichen zugesprochen werden. Die tatsächliche oder auch effektive Steuerbelastung ergibt sich jedoch erst aus dem Zusammenspiel von Steuerbemessungsgrundlage und tariflichem Steuersatz. Im vorliegenden Artikel beschränkt sich auf einen Vergleich der tariflichen Besteuerung von Kapitalgesellschaften. Im Jahr 2019 senkten einige Staaten (Frankreich, Griechenland, Japan, Luxemburg, Norwegen und Schweden) ihre nominalen Körperschaftsteuersätze. In den übrigen untersuchten Staaten blieben die nominalen Standardsätze unverändert.

    Über die zentralstaatliche Ebene hinaus erheben in mehreren Staaten nachgeordnete Gebietskörperschaften (Einzelstaaten, Provinzen, Regionen, Gemeinden) noch eigene Körperschaftsteuern oder ihnen ähnliche Steuern, wie z. B. in Deutschland und Luxemburg die Gewerbesteuer. Hinzu kommen vielfach Zuschläge auf verschiedenen staatlichen Ebenen. Die Höhe all dieser die Kapitalgesellschaften betreffenden Unternehmensteuern, die bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage den Gewinn zugrunde legen, ist in Abbildung 2 dargestellt. Zu beachten ist, dass die von lokalen Gebietskörperschaften erhobenen Steuern von der Steuerbemessungsgrundlage der übergeordneten Gebietskörperschaften in manchen Staaten abzugsfähig sind (z. B. in Japan und den USA). Die Gesamtsteuerbelastung auf Unternehmensebene ergibt sich demzufolge aus einer abgestuften Rechnung und nicht aus einer einfachen Addition der nominalen Steuersätze der einzelnen Steuern. Die steuertarifliche Gesamtbelastung von Kapitalgesellschaften reichte im Jahr 2019 von 10 % in Bulgarien bis knapp über 32 % in Frankreich (ohne den Sonderfall Malta mit eigenen Sondersätzen beziehungsweise -regelungen; Frankreich wendet seit 2018 einen ermäßigten Eingangstarifbereich an). Deutschland blieb weiterhin knapp unterhalb einer tariflichen Gesamtbesteuerung von 30 %. Auch 2019 sanken die Unternehmenssteuersätze in einer Reihe von Staaten mäßig (Griechenland: -5 Prozentpunkte, Frankreich: -2,4 Prozentpunkte) bis geringfügig (Japan, Schweden, Norwegen, Luxemburg: -0,2 Prozentpunkte bis -1,1 Prozentpunkte), insgesamt blieben sie allerdings weitestgehend stabil.

    Unternehmensbesteuerung 2019

    Tarifliche Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften 2019 (Körperschaftsteuern, Gewerbeertragsteuern und vergleichbare andere Steuern des Zentralstaats und der Gebietskörperschaften), nominal in %

    Bal­ken­dia­gramm: Un­ter­neh­mens­be­steue­rung in un­ter­schied­li­chen Län­dern
    Quelle: Bundeszentralamt für Steuern
    LandUnternehmensbesteuerung
    Bulgarien10
    Ungarn10,82
    Irland12,5
    Zypern12,5
    Litauen15
    Rumänien16
    Kroatien18
    Polen19
    Slowenien19
    Tschechien19
    Vereinigtes Königreich19
    Estland20
    Finnland20
    Lettland20
    Schweiz (Zürich)20,65
    Slowakei 21
    Schweden21,4
    Dänemark22
    Norwegen22
    Portugal22,5
    Griechenland24
    Luxemburg24,94
    Niederlande25
    Österreich25
    Spanien25
    USA (Staat New York)26,14
    Kanada (Ontario)26,5
    Italien27,9
    Belgien29,58
    Deutschland29,9
    Japan31,52
    Frankreich32,023
    Malta35
    Abbildung 2

    Einkommen-/Lohnsteuer und Sozialabgaben auf Arbeitseinkommen

    Für Arbeitnehmerhaushalte in verschiedenen Familienverhältnissen und Einkommensgruppen veröffentlicht die OECD regelmäßig eine international vergleichende Untersuchung. Abbildung 3 zeigt für das Jahr 2019 die Besteuerung des durchschnittlichen Bruttoarbeitslohns eines Arbeitnehmerhaushalts mit Lohn- oder Einkommensteuer klassifiziert nach verschiedenen Familienverhältnissen (alleinstehend; Familien, in denen einer der Eheleute ein Einkommen erzielt; Familien, in denen von beiden Eheleuten ein Einkommen erzielt wird). In vielen Ländern sorgen Maßnahmen im Rahmen der Familienbesteuerung für eine Besserstellung von Familien mit Kindern – so auch deutlich erkennbar in Deutschland bei Menschen mit durchschnittlichem Verdienst, vor allem durch das Kindergeld. Abbildung 4 stellt unter zusätzlicher Berücksichtigung des Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteils zur Sozialversicherung den gesamten Steuer- und Abgabenanteil an den Arbeitskosten dar. Die Einkommensteueranteile blieben dabei gegenüber dem Vorjahr weitestgehend konstant: Zu einer spürbar höheren Besteuerung kam es lediglich in Litauen (+3,5 Prozentpunkte); eine größere Entlastung für Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern war in Österreich (-4,9 Prozentpunkte) zu beobachten.

    Einkommen-/Lohnsteuer bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern 2019

    in % des Bruttoarbeitslohns

    Bal­ken­dia­gramm: Ein­kom­mens- und Lohn­steu­er in ver­schie­de­nen Län­dern
    1 Ein negativer Wert bedeutet insgesamt unter Berücksichtigung von Einkommen-/Lohnsteuerzahlungen und empfangener Familienleistungen eine Steuergutschrift beziehungsweise -erstattung.
    Quelle: OECD (Hrsg.), Taxing Wages 2018-2019, Paris 2020
    LandAlleinstehend, kein Kind, Durchschnittseinkommen Verheiratet, zwei Kinder, alleinverdienend mit einem DurchschnittseinkommenVerheiratet, zwei Kinder, ein Durchschnittseinkommen + 67 % eines weiteren Durchschnittseinkommens
    Polen7,22,54,7
    Japan7,96,67,2
    Griechenland10,210,78,8
    Slowakei10,81,17,3
    Schweiz11,24,68,6
    Slowenien12,447
    Vereinigtes Königreich13,913,312,7
    Tschechien¹14-3,85,8
    Estland14,49,811
    Spanien158,111,2
    Ungarn154,28,5
    Österreich15,27,79,3
    Kanada15,811,214,2
    Portugal15,95,29,6
    Frankreich169,511,7
    USA 16,44,510,2
    Niederlande16,516,211,4
    Litauen16,616,615,3
    Luxemburg17,66,111,8
    Lettland17,79,211,2
    Schweden17,717,716,5
    Norwegen19,119,117,7
    Deutschland19,21,511,3
    Finnland20,220,217,2
    Irland21,911,717,4
    Italien22,115,515,6
    Belgien25,313,320,6
    Dänemark35,631,634,5
    Abbildung 3
    Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag zur Sozialversicherung und Einkommen-/Lohnsteuer (1) 2019

    in % der Lohnkosten2

    Bal­ken­dia­gramm: Bei­trä­ge zur So­zi­al­ver­si­che­rung und Ein­kom­mens- bzw. Lohn­steu­er in ver­schie­de­nen Län­dern.
    1 Definiert als Arbeitgeberbeitrag zuzüglich Arbeitnehmerbeitrag zur Sozialversicherung und Lohnsteuer (gegebenfalls einschließlich anteiliger Lohnsummensteuer), gemindert um die familienbezogenen Leistungen (z. B. Kindergeld). 2 Lohnkosten defniert als Bruttoarbeitslohn zuzüglich Arbeitgeberbeitrag (gegebenenfalls einschließlich anteiliger Lohnsummensteuer).
    Quelle: OECD (Hrsg.), Taxing Wages 2018-2019, Paris 2020
    LandAlleinstehend, kein Kind, DurchschnittseinkommenVerheiratet, zwei Kinder, Alleinverdiener/in, DurchschnittseinkommenVerheiratet, zwei Kinder, ein Durchschnittseinkommen + 67 % eines weiteren Durchschnittseinkommens
    Schweiz22,39,916,1
    USA29,818,824,1
    Kanada30,511,623,9
    Vereinigtes Königreich30,926,326,6
    Japan32,727,529,7
    Irland33,217,925,5
    Dänemark35,425,230,7
    Polen35,617,725,1
    Norwegen35,732,132,3
    Estland37,227,530,9
    Litauen37,22931,1
    Niederlande37,332,329,3
    Luxemburg38,417,326,7
    Spanien39,534,236,5
    Griechenland40,837,838,3
    Portugal4129,435,9
    Finnland41,937,536,8
    Slowakei41,931,137,1
    Lettland42,632,435,4
    Schweden42,737,438,7
    Slowenien43,628,535,8
    Tschechien43,926,635,4
    Ungarn44,629,635,6
    Frankreich46,736,839,9
    Österreich47,933,738,3
    Italien4839,241,9
    Deutschland49,434,342,5
    Belgien52,236,544,5
    Abbildung 4

    Umsatzsteuersätze

    In den meisten Industriestaaten blieben die Umsatzsteuersätze im Jahr 2019 unverändert. Der 2019 in Deutschland erhobene Umsatzsteuerregelsatz von 19 % lag im EU-Vergleich im unteren Drittel (siehe Abbildung 5).

    Umsatzsteuer-Normalsätze in der EU 2019

    in %

    Um­satz­steu­er­sät­ze in un­ter­schied­li­chen Län­dern
    Quelle: Bundeszentralamt für Steuern
    LandUmsatzsteuersatz
    Luxemburg17
    Malta18
    Deutschland19
    Rumänien19
    Zypern19
    Bulgarien20
    Estland20
    Frankreich20
    Österreich20
    Slowakei20
    Vereinigtes Königreich20
    Belgien21
    Lettland21
    Litauen21
    Niederlande21
    Spanien21
    Tschechien21
    Italien22
    Slowenien22
    Irland23
    Polen23
    Portugal23
    Finnland24
    Griechenland24
    Dänemark25
    Kroatien25
    Schweden25
    Ungarn27
    Abbildung 5

    Fazit

    Deutschland verfügt über ein leistungsgerechtes und faires Steuersystem. Den Steuern und Abgaben steht ein hochentwickeltes Niveau an öffentlichen Leistungen gegenüber. Die Bürgerinnen und Bürger profitieren vor allem von gut ausgebauten sozialen Sicherungssystemen und einer größtenteils gebührenfreien öffentlichen Infrastruktur (u. a. in Schulen, Hochschulen, zunehmend auch Kitas). Faktoren der „Leistungsseite“ des Standorts wie etwa öffentliche Sicherheit, Qualifikation der Fachkräfte, Infrastruktur und eine effiziente Verwaltung tragen außerdem dazu bei, dass die deutschen Unternehmen in der Gesamtschau wettbewerbsfähig sind. Während der aktuellen Corona-Krise zeigt sich die Leistungsfähigkeit des Staats insbesondere an dem gut ausgestatteten Gesundheitswesen und umfangreichen Unterstützungsmaßnahmen für Beschäftigte, Selbstständige und Unternehmen. Ein verlässlicher Sozialstaat und die fiskalische Fähigkeit zu effektivem Handeln geben den Menschen Sicherheit und sind ein wichtiger ökonomischer Standortfaktor, um die Krise und deren Folgen gut zu bewältigen.

    Im Trend blieben die Steuersätze in den meisten Ländern im vergangenen Jahr relativ stabil. Leicht sinkenden Unternehmensteuersätzen standen dabei bis auf Einzelfälle kaum veränderte Einkommensteuersätze zur Seite. Am stabilsten blieben die Sätze der Umsatzsteuer.

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