"Guten Abend, meine Damen und Herren. Der Chef, der Berliner Treuhandanstalt, Rohwedder, ist offensichtlich von Terroristen ermordet worden."

Detlev Rohwedder leitete seit Juli 1990 die Treuhand. Dieser Job sollte ihn das Leben kosten. Die Treuhandanstalt entschied nach der friedlichen Revolution und der Wendezeit in der DDR über das weitere Verfahren mit den Volkseigenen Betrieben (VEB) im Rahmen der Wirtschaftsunion. Viele der Unternehmen in Ostdeutschland waren marode, tausende Arbeitsplätze in Gefahr. Und die Frage nach dem Besitz von Immobilien und Grundstücken war ungeklärt.

Die Treuhand übernahm die schwierige Aufgabe der Privatisierung. Die Führung der Anstalt des öffentlichen Rechts sollte mit marktwirtschaftlich erfahrenen westdeutschen Persönlichkeiten besetzt werden. Im Juli 1990 übernahm Detlev Karsten Rohwedder die Geschicke. Der überzeugte Sozialdemokrat setzte sich energisch für eine verantwortungsvolle Umwandlung und Sanierung der ehemaligen Ost-Betriebe ein.

Doch nach und nach wurde das Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme bekannt. Die Kritik an der Treuhand wuchs. Und damit auch an ihrem Präsidenten. Als Vorsitzender der großen staatlichen Organisation geriet er in das Fadenkreuz der linksextremistischen Terrororganisation RAF. In der Nacht des 1. Aprils 1991 erschoss ein Scharfschütze der Roten Armee Fraktion Detlev Rohwedder in dessen Wohnhaus.

"Ein Schuss hat dann Dr. Rohwedder von hinten - etwa in Höhe der mittleren Wirbelsäule - getroffen und wohl auch den Tod verursacht."

"Das sichergestellte Bekennerschreiben trägt neben dem RAF-Symbol die Bezeichnung 'Rote Armee Fraktion - Kommando Ulrich Wessel'."

Der Mord an dem Treuhand-Präsidenten machte viele betroffen. Die spätere Treuhandpräsidentin versprach, das Andenken Rohwedders aufrechtzuerhalten. "Mit dem, was Herr Rohwedder uns vorgegeben hat, was er in einer sehr kurzen Zeit an einzigartiger Leistung erbracht hat, in seinem Sinne versuchen wir weiterzuarbeiten. Wir sind da ganz entschlossen - trotz aller Schmerzen, trotz alles Kummers, trotz wirklich auch vieler persönlicher Verzweiflung hier im Hause -, weil wir glauben, dass wir seinem Anliegen am besten gerecht werden würden."

Seit 1991 war der Sitz der Treuhand das ehemalige Haus der Ministerien der DDR in Berlin. Zu Ehren Rohwedders trägt dieser geschichtsträchtige Bürokomplex und heutige Sitz des Bundesfinanzministeriums seit 1992 den Namen "Detlev-Rohwedder-Haus" - eine Erinnerung an die große Verantwortung der finanzpolitischen Arbeit.