Wer schreibt, der bleibt.

Die meisten Briefe werden heute zwar maschinell frankiert, aber jährlich werden immer noch rund 50 Sonderbriefmarken von dem Bundesfinanzministerium herausgegeben. Warum eigentlich?

Zum einen, weil sie ästhetisch sind und spannend anzuschauen und für uns Sammler natürlich einen großen Wert besitzen. Zum anderen ist die Briefmarke, als kleinstes Plakat der Welt, ein echter Hingucker.

In Deutschland werden Sondermarken immer herausgegeben, um auf Menschen oder besondere Anlässe hinzuweisen, so wie in diesem Fall auf 1.700 Jahre jüdisches Leben.

Es hat in beiden Teilen Deutschlands schon einige Sonderbriefmarken gegeben, die an jüdische Persönlichkeiten oder Gedenktage erinnert haben. Moses Mendelssohn, Else Lasker-Schüler oder Hannah Arendt, um nur einige zu nennen.

Detlef Behr ist Diplom-Designer aus Köln und hat zum Festjahr 2021 die Sonderbriefmarke "Chai" gestaltet.

Herr Behr, was hat Sie dazu inspiriert?

Drei Mal pro Jahr werden je Thema sieben Gestalter zu einem Wettbewerb um die Plakate in Kleinformat eingeladen. Dabei geht es darum, die unterschiedlichsten Themen auf wenigen Quadratzentimetern zu visualisieren, wa s mich als Designer besonders reizt. Deshalb, aber auch, weil die jüdische Gemeinde als selbstverständlicher Teil dieser Gesellschaft nach vorne blickt, war es mir wichtig, mit dem ausgewählten Entwurf das jüdische Leben in den Vordergrund zu rücken. Und das ist im Grunde genommen die große Herausforderung, zu gucken, wie man das Thema adäquat auf so ein kleines Format attraktiv bringt.

Ich finde es toll, dass gerade das Wort "Chai" auf der Sonderbriefmarke wiederzufinden ist, denn das hebräische Wort "Chai" bedeutet lebendig. Und genau so zeigt sich jüdisches Leben heute wieder in Deutschland - vielfältig, bunt und laut. Und auch im jüdischen Alltag wird das Wort häufig verwendet. "L'Chaim" beispielsweise bedeutet "Auf das Leben" und ist ein klassischer Trinkspruch, der Lebensfreude symbolisiert. Denn als Jüdinnen und Juden sind wir kein Exponat im Museum, sondern ein lebendiger Teil der Gesellschaft.

Auf eine offene Gesellschaft, dass auch meine Kinder eines Tages sagen können, es ist normal, sowohl deutsch, als auch jüdisch zu sein. L'chaim!

Über 1.000 Veranstaltungen von Schleswig-Holstein bis Bayern sollen 2021 jüdisches Leben in Deutschland in seiner ganzen Vielfalt sichtbar und erlebbar machen.

Das Judentum ist konstitutiv für Deutschland. Es ist nichts Fremdes, es gehört zu uns dazu.

Wir vom Verein "321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland", wir wünschen uns, dass viele Menschen genau das in diesem Festjahr wahrnehmen und ganz persönlich erleben. Dazu können Sie alle beitragen, indem Sie diese lebensfrohe Briefmarke zur Botschafterin für jüdisches Leben in die Welt senden - als kleinstes, wirkungsvolles Großplakat des Festjahres.

Mein erster Brief mit dieser Briefmarke geht an Anne in London. Sie ist die Tochter meiner leider verstorbenen jüdischen Freundin. Sie musste vor den Nazis fliehen und hat in Großbritannien eine neue Heimat gefunden. Ich bin sicher, Anne wird sich über diese Geste sehr, sehr freuen.

Seien auch Sie dabei und machen Sie dieses Festjahr zu einem großen Erfolg.