Das Detlev-Rohwedder-Haus im Herzen Berlins, heutiger Sitz des Bundesfinanzministeriums. Kaum ein anderes Gebäude der Stadt spiegelt die wechselvolle deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts baulich so stark wider, wie dieser Komplex an der Leipziger Straße, Ecke Wilhelmstraße.

In den Jahren 1935/36 entstand das imposante Bürogebäude nach Plänen von Ernst Sagebiel. Das Reichsluftfahrtministerium unter Hermann Göring benötigte mehr Platz. Die neue Machtzentrale Görings wurde in Stahlbetonskelettbauweise erbaut. Mit über 2.000 Räumen und insgesamt 6,8 Kilometer langen Fluren auf rund 112.000 Quadratmetern Geschossfläche entstand das seinerzeit größte Bürogebäude Berlins. Auf Wunsch des Bauherren sollte die Architektur den Machtanspruch des nationalsozialistischen Regimes unterstreichen. Neoklassizistischer Stil, Säulengänge, Wandreliefs und Marmorböden sollten Besucherinnen und Besucher gleichzeitig in Staunen versetzen und einschüchtern. Bis heute zeugt ein architektonisches Detail von Görings Regime: Teile der Treppengeländer im Haus bestehen aus dem gleichen Aluminium, das 1935 beim Bau neuer Flugzeuge für die Luftstreitkräfte verwendet wurde.

Im Krieg wurde das Gebäude teilweise stark beschädigt. Der Wiederaufbau begann bereits im August 1945. Das Haus wurde zur Zentrale der sowjetischen Besatzungszone. Symbole der Nazi-Diktatur wie Hakenkreuze und Wandreliefs verschwanden mit der Entnazifizierung.

1949 wurde im damaligen großen Festsaal die DDR ausgerufen. Ab 1949 diente das Gebäude der SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, als Haus der Ministerien. Auch die DDR hinterließ Spuren an dem Prestigebau: In der nordöstlichen Pfeilervorhalle entstand zwischen 1950 und 1953 das monumentale Wandgemälde „Aufbau der Republik“.

Ende der 1980er deutete sich der nächste radikale Umbruch an, der sich bald architektonisch widerspiegelte: Der Zusammenbruch der DDR. Bald nach der Einheitsfeier, am 3. Oktober 1990 zogen neue Mieter ein. Die Berliner Außenstelle des Bundesfinanzministeriums, das damals noch in Bonn sitzt, sowie der Bundesrechnungshof und die Treuhandanstalt.

1992 erhielt das Detlev-Rohwedder-Haus seinen heutigen Namen. Es ist nach dem zweiten Präsidenten der Treuhandanstalt benannt. Durch seinen außerordentlichen Einsatz hat er sich dieser Würdigung verdient gemacht hat.

Nach heftigen Debatten ob und wie das historisch belastete Gebäude weiterhin genutzt werden kann, begannen 1994 Sanierungsmaßnahmen. Der Komplex wurde zum Haus eines freiheitlich-demokratischen Rechtstaats. 1999 zog das Bundesfinanzministerium vollständig von Bonn nach Berlin. Bis heute hat es seinen Sitz hier.