Es ist eine immens wichtige Zukunftsaufgabe, das Dokumentenerbe der Wiedergutmachungsakten sichtbar und einheitlich zugänglich zu machen. Aus diesem Grund arbeitet das Bundesfinanzministerium gemeinsam mit dem Bundesarchiv und weiteren Partnern an einem Themenportal Wiedergutmachung, das bei der Deutschen Digitalen Bibliothek im Archivportal-D angesiedelt werden wird.

Insbesondere für die Familien der Verfolgten weltweit kann das neue Themenportal Wiedergutmachung große Bedeutung haben. Denn der vereinfachte Zugang u. a. zu Millionen von Einzelfallakten ermöglicht es ihnen, oftmals unbekannte Fakten der eigenen Familien- und Identitätsgeschichte eigenständig zu recherchieren. Die Akten und Dokumente spiegeln die Leben von Menschen, die im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ihr Verfolgungsschicksal sowie Aspekte ihrer Familiengeschichte dargelegt haben. Die Unterlagen enthalten viele persönliche Details und Hinweise auf weitere Personen, die in Verfolgungs-, Ausgrenzungs- und andere Zwangsmaßnahmen des NS-Regimes involviert waren oder darunter zu leiden hatten.

Das Dokumentenerbe der Wiedergutmachungsakten stellt auch für Forschung und Wissenschaft eine äußerst wertvolle und ergiebige Quellensammlung dar. Die Akten der Wiedergutmachung sind zudem für Bildungsprojekte von Interesse und können die Bekämpfung von Holocaust-Leugnung und -verfälschung unterstützen.

Das BMF hatte den Grundstein für das Themenportal bereits im Jahr 2018 gelegt. Es folgte ein intensiver Austausch mit verschiedenen Bundesressorts, den zuständigen Ländern, zahlreichen Archiven, Historikern, nationalen und internationalen Institutionen wie der israelischen Gedenk- und Forschungsstätte Yad Vashem, dem United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. oder den Arolsen Archives sowie der Conference on Jewish Material Claims Against Germany, die die Entschädigungsprogramme der Bundesregierung innerhalb der sogenannten Artikel-2-Vereinbarung zum Einigungsvertrag ausführt. Mit zahlreichen vom BMF koordinierten Fachgesprächen und Workshops wird der Aufbau des Themenportals Wiedergutmachung weiter begleitet.

Bereits im April 2021 haben BMF-Unterabteilungsleiterin Eva-Maria Meyer und Bundesarchiv-Präsident Professor Dr. Michael Hollmann eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Dieser gingen intensive und vertrauensvolle Vorarbeiten und Gespräche zwischen dem BMF, dem Bundesarchiv und der Behörde der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien voraus. Das Bundesarchiv steht dem BMF als konzeptioneller und fachlicher Partner und im Verbund mit weiteren Institutionen beim Aufbau des Themenportals Wiedergutmachung zur Seite.

Im September 2021 folgte eine weitere Vereinbarung. Sie soll die intensivierte Erschließung und umfassende Digitalisierung von Wiedergutmachungsakten im Bestand des Bundesarchivs ermöglichen. Diese Bestände werden von zentraler Bedeutung für das Themenportal Wiedergutmachung sein.

BMF-Unterabteilungsleiterin Eva-Maria Meyer und Bundesarchiv-Präsident Professor Dr. Michael Hollmann legten mit ihren Unterschriften den Grundstein für eine umfangreiche und langjährige Projektkooperation zwischen Bundesarchiv und Bundesfinanzministerium:

„Das ist ein guter Tag für unser gemeinsames Vorhaben, mit einem Themenportal einen internationalen, digitalen Zugang zu den Akten der Wiedergutmachung zu schaffen und damit eine wichtige Zukunftsaufgabe der Wiedergutmachung weiter voranzubringen“, so Eva-Maria Meyer. „Das Bundesarchiv ist ja nicht nur einer unserer Partner, um dieses Portal aufzubauen. Es hat überdies in seinem Bestand wichtige Unterlagen, die den politischen Rahmen der facettenreichen Regelungen der Wiedergutmachung von Bund und Ländern abbilden. Wir werden zügig weitere Vereinbarungen mit Archiven in Deutschland treffen, um so nach und nach die anspruchsvolle Aufarbeitung dieser vielfältigen Akten für das Themenportal voranzutreiben.“

Prof. Dr. Hollmann hebt hervor: „Es ist sehr zu begrüßen, dass die Digitalisierung und Zugänglichmachung bedeutender Unterlagen zur deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts durch das Vorhaben des BMF einen weiteren Schub erhält. Das Vorhaben des Bundesarchivs, in den nächsten Jahren die zentralen archivischen Quellen zur NS-Zeit zu digitalisieren und online zu stellen, erfährt durch die Möglichkeit der beschleunigten Digitalisierung und gründlichen Erschließung von Quellen zur Wiedergutmachung eine wertvolle Ergänzung.“

In den kommenden Jahren wird das Bundesarchiv auf dieser vertraglichen Basis in die Lage versetzt, das in seinem Bestand lagernde Archivgut des Bundes zur Wiedergutmachung und Entschädigung nationalsozialistischen Unrechts unterschiedlicher Herkunft detailliert zu beschreiben und in großem Umfang zu digitalisieren. Die Informationen über die Akten, und perspektivisch auch die digitalisierten Inhalte, sollen online im Themenportal Wiedergutmachung bereitgestellt werden. Im Projektverlauf sollen auch die Möglichkeiten einer auf Künstlicher Intelligenz basierten Erfassung der Akten genutzt werden, um späteren Nutzer*innen noch gezieltere Rechercheoptionen anbieten zu können. Zu den beim Bundesarchiv aufbewahrten Unterlagen gehören unter anderem Akten aus dem Bestand des Bundesministeriums für Finanzen, des Bundesministeriums des Innern, der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und bedeutende Nachlässe.